Entwicklungspapier für Kultur- und Kreativwirtschaft in Sachsen

Sächsische Verbände der Kultur- und Kreativwirtschaft legen für die nächste Legislaturperiode gemeinsame Handlungsempfehlung vor

Mit einem gemeinsamen Papier positionieren sich die sächsischen Branchenverbände der Kultur- und Kreativwirtschaft und geben den künftigen Regierungsverantwortlichen des Freistaates Sachsen Handlungsempfehlungen für die kommende Legislaturperiode. In dem Papier, das die Verbände sowohl der sächsischen Staatskanzlei, den zuständigen Ministerien und verschiedenen Fraktionen des sächsischen Landtags sendeten, fordern sie die Entwicklung einer nachhaltigen Strategie zur flächendeckenden Förderung und Unterstützung der Kultur- und Kreativwirtschaft im Freistaat Sachsen.

„Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist mit ihren 11.000 Unternehmen eine wichtige Säule der sächsischen Wirtschaft. Die Branche erwirtschaftete 2010 einen Umsatz von 3,1 Milliarden Euro. Von 2009 zu 2010 hat sich diese sowohl im Bereich der Steuerpflicht als auch des Umsatzes dynamischer als die gesamte sächsische Wirtschaft entwickelt“, erklären Friedemann Rentsch, Vorstand Wir gestalten Dresden – Branchenverband der Dresdener Kultur- und Kreativwirtschaft e. V., Ivo Zibulla, Vorstand Kreatives Leipzig – Branchenverband der Kultur- und Kreativwirtschaft Leipzig e. V. und Frank Müller, Vorstand Kreatives Chemnitz – Branchenverband der Kultur- und Kreativwirtschaft Chemnitz und Umgebung e. V. „Der Freistaat Sachsen hat schon maßgebliche Hürden zur Förderung der Kultur- und Kreativwirtschaft genommen und steht den Akteuren tatkräftig zur Seite. Mit einer nachhaltigen Strategie kann es dem Freistaat gelingen, sich nicht nur deutschlandweit, sondern auch international, als Zentrum der Kultur- und Kreativwirtschaft zu etablieren“, so die Vorstände der Branchenverbände.

Zu den strategischen Handlungsempfehlungen der Verbände zählt das Schaffen einer zentralen Anlaufstelle für die Kultur- und Kreativwirtschaft in Sachsen. Diese soll den Kreativwirtschaftenden, aber auch der Landesregierung, als Ansprechpartner, Koordinierungsstelle und Kompetenzzentrum dienen. Um eine bessere Kommunikation zwischen den Verbänden und den politischen Verantwortlichen gewährleisten zu können, befürworten Wir gestalten Dresden, Kreatives Leipzig und Kreatives Chemnitz die Benennung eines direkten Ansprechpartners aus dem Ressort Wirtschaft der Landesregierung.

Die Verbände raten der künftigen Landesregierung außerdem zu einer Weiterentwicklung bei den existierenden Förderstrukturen. Hürden bei den Zugängen zu Fördermitteln sollten noch weiter abgebaut werden und und so Projektentwicklungsprozesse noch stärker vorangetrieben werden. Dies beinhaltet u. a. das Abrücken von einem rein technologiekonzentrierten Innovationsbegriff als Förderkriterium hin zu einer Erweiterung um das Kriterium sozialer Innovation. Für die Kultur- und Kreativwirtschaft müssen zudem noch mehr eigene, branchenspezifische Förderinstrumente entwickelt werden.

In dem Positionspapier erklären die Verbände außerdem, dass es zwingend einer konstante Datenerhebung und –auswertung für die Branchenentwicklung bedarf. Nur so könne das Potential der Branche tatsächlich erfasst werden und eine ideale Förderung und Unterstützung der sächsischen Kultur- und Kreativwirtschaft gewährleistet werden. Sie fordern die Regierung des Freistaates Sachsen daher auf, den Kulturwirtschaftsbericht des Landes kontinuierlich fortzuschreiben, jährlich Daten zu den elf Teilbranchen des Wirtschaftszweiges zu erheben und umfassende Kriterien zur Datenerhebung festzulegen Um die wirtschaftliche Realität der Branche tatsächlich erfassen zu können, fordern die Verbände daher Kleinunternehmer und –unternehmerinnen mit einem jährlichen Umsatz von weniger als 17.500 € in die Statistiken einzubeziehen.

Die Verbände bewerten zudem bezahlbaren Raum als die Grundvoraussetzung einer wachsenden Kultur- und Kreativwirtschaft in Sachsen. Sie sehen daher die Förderung alternativer Eigentümer- und Bauträgerstrukturen, also Genossenschaften, Syndikate etc., und die Möglichkeit des Erwerbs und die niedrigschwellige Entwicklung von Industriebrachen in Sachsen im Zentrum einer nachhaltigen Strategie. Auch dürfe der ländliche Raum nicht weiter ins Abseits gerückt werden: Es bedürfe gezielter Fördermaßnahmen für diese Regionen, so etwa der Entwicklung der technischen (INetz) und mobilen (ÖPNV) Infrastruktur.

Die Branchenverbände

Die sächsischen Branchenverbände haben es sich zur Aufgabe gemacht, Leistung, Angebot und Wert der Sächsischen Kultur- und Kreativwirtschaft einer breiten Öffentlichkeit näherzubringen. Gleichzeitig versuchen sie die Kreativschaffenden untereinander aber auch mit den klassischen Wirtschaftszweigen stärker zu vernetzen und bieten ihnen eine Plattform zum Erfahrungsaustausch. Wir Gestalten Dresden gründet sich 2012, Kreatives Leipzig 2010 und Kreatives Chemnitz 2013. Die Verbände vertreten gemeinsame mehrere Hundert Unternehmen der sächsischen Kultur- und Kreativwirtschaft.

Die drei Branchenverbände arbeiten seit März 2014 auf der Grundlange eines Kooperationsvertrages auf Landesebene zusammen. Sie stehen kurz vor der Gründung eines Landesverbandes der sächsischen Kultur- und Kreativwirtschaft.



Kommentare sind geschlossen.